Was Sie schon immer über Feldenkrais wissen wollten

(Artikel von Thomas Kirschner)

Vorwort
Mit der Feldenkrais-Methode können Sie Ihre Beweglichkeit verbessern und so etwas über sich und ihren Körper lernen. Es wird dabei ziemlich egal sein, ob Sie jung oder alt sind, sportlich oder unsportlich, oder auch gesund oder weniger gesund.
Sie werden schon sehr bald die Wirkung spüren: Ihr Körper wird beweglicher werden, und Sie werden sich insgesamt frischer fühlen als bisher.
Nur wenige Menschen sind mit ihrem Körper und mit der Art, wie er sich anfühlt, zufrieden. Durch die Feldenkrais-Methode können Sie jedoch entdecken, daß Ihr Körper über weitaus mehr Weisheit und Intelligenz verfügt, als Sie normalerweise von ihm erwarten. Sie müssen keineswegs besonders begabt sein, um dies zu spüren. Sie sind es vielmehr von vornherein, auch wenn Sie dies bisher nicht wußten! Bitte benutzen Sie die Bewegungen nicht als Zwangsjacke, sondern als Anregungen, über sich selbst nachzudenken. Fühlen Sie sich deshalb vollkommen frei, Ihren eigenen, individuellen Weg des Arbeitens zu finden.
Was genau ist die Feldenkrais-Methode?
Die Feldenkrais-Methode ist ein Verfahren zur Schulung des Körpers und der Persönlichkeit mittels Bewegung. Sie umfaßt eine Vielzahl verschiedener Lektionen, welche die innere Aufmerksamkeit schulen. Dabei kommt es zu einem Phänomen, das Fachleute “neuro-muskuläre Re-Organisation” nennen. Man bewegt sich nach einer Feldenkrais-Übung meist ein wenig anders als zuvor; der Körper fühlt sich leichter an, seine Bewegungen sind geschmeidiger. Die Feldenkrais-Methode ist ein Weg des Lernens. Sie ist kein Gymnastik- oder Fitneßsystem, obwohl man sich auch dabei bewegt. Das Ziel und die zugrunde liegende Wirkungsweise sind jedoch vollkommen anders. Die Feldenkrais-Bewegungen sprechen direkt zu Ihrem Nervensystem. Die übermittelten Informationen können Ihrem Gehirn dabei helfen, die Organisation Ihres Körpers im Bezug auf verschiedene Aufgabenstellungen zu überprüfen und gegebenenfalls zu verändern. Dies hat viel mehr mit Intelligenz und Bewußtsein zu tun, als mit dem herkömmlichen Begriff von “Fitneß”, der die Leistungsfähigkeit vor allem in Muskelkraft und Ausdauer bemißt.

Über Moshé Feldenkrais
Dr. Feldenkrais, geboren im Jahre 1904, war in der ersten Hälfte seines Lebens Physiker. Zusammen mit Joliot Curie führte er die erste Kernspaltung in Frankreich durch. Während des zweiten Weltkrieges arbeitete er für die britische Admiralität, später leitete er die Elektronik-Abteilung des israelischen Verteidigungsministeriums. Da er gleichzeitig seit seiner Jugend Judo und andere Sportarten betrieb, besaß er ein überdurchschnittliches Interesse für effiziente Bewegung. Motiviert durch eine Verletzung seiner eigenen Knie, begann er damit zu experimentieren, wie man Menschen helfen könnte, einen besseren Gebrauch ihrer angeborenen Fähigkeiten zu erlernen, so daß sie leichter mit ihren eigenen Schwierigkeiten fertig würden. In jahrzehntelanger Forschungsarbeit entwickelte er daraufhin zwei miteinander verbundene Wege zu erhöhter Körperwahrnehmung, die er “Bewußtheit durch Bewegung” und “Funktionale Integration” nannte. Inzwischen haben Hunderttausende von Menschen in aller Welt die beiden Methoden verwendet. Dr. Feldenkrais starb 1984 in Tel Aviv.
Was können Sie erwarten?
Moshé Feldenkrais selbst sagte den Teilnehmern seiner Gruppen zu Anfang oft, daß sie wahrscheinlich mehr bekommen würden, als sie dächten. In der Tat ist es anfangs nicht leicht, die Methode und ihre Effekte richtig einzuschätzen, und manche der im Folgenden aufgeführten Wirkungen werden Ihnen vielleicht erst auf den zweiten Blick auffallen.

Verbesserte Körperkontrolle
Sie werden lernen, Ihren Körper besser zu verstehen und zu steuern. Dies wird sich in gesteigerter Beweglichkeit und einem angenehmen Körpergefühl äußern. Diese Wirkung werden Sie wahrscheinlich bereits nach den ersten Minuten spüren, spätestens jedoch nach der zweiten oder dritten Lektion.
Anmut in Bewegung
Viele Menschen leiden unter Schmerzen des Bewegungsapparates. Wie schon angedeutet, stammen diese oftmals von fehlerhaftem Gebrauch oder übermäßiger Anstrengung her. Natürlich haben die Körper der meisten Menschen auch angeborenen oder erworbene Schwächen, mit denen ihre Besitzer leben müssen. Niemand ist perfekt. Doch sollten Sie sich deshalb nicht entmutigen lassen! Möglicherweise können Sie durch die Feldenkrais-Methode lernen, besser mit diesen Handikaps umzugehen. Versuchen Sie Ihre körpereigene Intelligenz zu entwickeln und einen Weg zu finden, mit Ihren Schwierigkeiten würdevoll umzugehen.
Man muß keinen Luxuskörper besitzen, um sich schön und angenehm zu bewegen. Die Feldenkrais-Methode wird Ihnen helfen, Ihre innere Anmut zu entwickeln. Ein angenehmer Nebeneffekt wird übrigens sein, daß Sie gleichzeitig Schmerzen und vorzeitige Verschleißerscheinungen vermeiden lernen.
Anmutige Bewegungen sind zugleich ökonomisch

Erweiterung des Selbstbildes
Was damit gemeint ist, werden Sie um so besser verstehen, je mehr Erfahrungen Sie mit Ihrem Körper und der Feldenkrais-Methode sammeln. Im Laufe der Zeit wird Ihnen nämlich immer bewußter werden, daß das körperliche Bild, welches wir von uns haben, unsere Handlungen entscheidend trägt. Durch die Lektionen in “Bewußtheit durch Bewegung” wird sich dieses Körperbild verändern, es wird umfassender, präziser werden, und so wird auch Ihre Fähigkeit wachsen, sich selbst wahrzunehmen und angemessen zu steuern.
Bewußte Bewegungen können Ihr Selbstbild verändern.

Selbstvertrauen
Auch dies ist eine natürliche Folge von gesteigerter Beweglichkeit und der Fähigkeit zur Selbststeuerung. Viele der Unsicherheits-Gefühle, mit denen wir im täglichen Leben konfrontiert sind, stammen von einer sehr grundsätzlichen Angst, unseren Körper nicht adäquat zu beherrschen. Die Bewegungslektionen werden Ihnen helfen, Ihr natürliches Selbstbewußtsein zurückzugewinnen.

Bewegung, Persönlichkeit und Gesundheit
Dr. Feldenkrais sagte einmal: “Was mich interessiert, sind nicht bewegliche Körper, sondern bewegliche Gehirne.” Die einzelnen Lektionen seiner Methode sind daher eher als Anregungen für Ihr Nervensystem gedacht, und nicht als Übungen, die Sie ab jetzt Tag für Tag mechanisch durchführen sollten. Die Anreize, welche Ihr Nervensystem durch die Feldenkrais-Lektionen bekommt, beziehen sich zwar in erster Linie auf Bewegungen, doch vielleicht werden Sie bald merken, daß mehr dahintersteckt: Bewegung und Persönlichkeit hängen nämlich in hohem Maße zusammen.

Wichtiger als die einzelne Bewegung ist die Art, wie Sie sie ausführen.
Viele der Schwierigkeiten, die wir mit unserem Körper erleben, resultieren aus übergroßer Anstrengung und fehlerhaftem Gebrauch. Sie werden sicher schon sehr bald feststellen, daß die meisten Bewegungen, die Sie im täglichen Leben ausführen, mit weniger Kraft getan werden können, als Sie es bisher gewohnt waren. Die Feldenkrais-Lektionen sind ein Weg, um unnötige Anstrengungen zu erkennen und vermeiden zu lernen. Möglicherweise werden Sie merken, daß Sie insgesamt mehr und mehr beginnen können, sich auf Wesentliches zu konzentrieren und unnötige Dinge beiseite zu lassen. Herkömmliche Fitneßmethoden allein leisten hierbei oft nicht die richtige Hilfestellung. Die Feldenkrais-Methode kann Ihnen einen Weg zeigen, wie Sie auch ohne Anstrengung und mechanische Übungen eine bessere Gesundheit erlangen können.
Die Feldenkrais-Methode kann Sie nicht heilen, aber vielleicht wird Sie Ihnen dabei helfen, dies selbst zu tun!

Wie Sie an eine Feldenkrais-Lektion herangehen sollten
Die einzige Regel lautet: Es gibt keine Regeln. So paradox dies klingen mag, es hat eine tiefe Bedeutung. Die Feldenkrais-Methode ist ein sehr undogmatischer Weg des Lernens. Sie können tun, was Sie wollen, vorausgesetzt, Sie wissen, was Sie tun. Sie werden in einer Feldenkrais-Lektion Ihr eigener Lehrer sein.
“Wenn man weiß, was man tut, kann man tun, was man will.”(M. Feldenkrais)

Bitte versuchen Sie deshalb, die Verantwortung für Ihr körperliches Wohlbefinden selbst in der Hand zu behalten. Führen Sie die Bewegungen nicht mechanisch aus. Schärfen Sie stattdessen von Anfang an Ihr eigenes Urteil, und tun Sie dabei bitte nichts, was sich für Ihren Körper unangenehm anfühlt. Es könnte sein, daß die betreffende Bewegung für Ihre derzeitige Art der Körperbenutzung nicht geeignet ist. Möglicherweise haben Sie auch nur die Anweisung nicht genau verstanden. Folgen Sie den Instruktionen in diesem Fall nur annäherungsweise, Sie werden sich trotzdem verbessern.

Kompetenz oder Anstrengung?
Ein weiterer, überaus wichtiger Rat betrifft das Ausmaß von Kraft, mit dem Sie die Bewegungen durchführen: Versuchen Sie stets, die Bewegungen nur mit einem Minimum an Muskelkraft durchzuführen. Gerade, wenn Sie noch keine oder wenige Erfahrungen mit “Bewußtheit durch Bewegung” gesammelt haben, werden Sie dazu neigen, zuviel des Guten zu tun. Die meisten von uns verwenden, wenn sie Bewegungen ausführen wollen, die ihnen neu sind, zuviel Kraft. Möglicherweise werden Sie sich fragen, warum es denn so wichtig ist, möglichst wenig Kraft zu verwenden. Nun, dafür gibt es ein paar gute Gründe:
Erstens fehlt uns oftmals nicht die Kraft, sondern die Kompetenz. Gerade, wenn wir lernen, neue Handlungen in unser Repertoire aufzunehmen, machen wir oftmals den Fehler, uns übermäßig anzustrengen. Wir versuchen damit, fehlendes Können auszugleichen. Leider ist dies oftmals der falsche Weg. Denken Sie an jemanden, der im Winter mit dem Auto auf einer verschneiten Straße in Rutschen kommt; schnelle, übergroße Lenkbewegungen werden seine Lage meist nur verschlimmern. Gute Autofahrer wissen, daß es in einer solchen Situation das Beste ist, das Steuer sehr vorsichtig und und nur ganz wenig zu drehen.

Verwenden Sie nur einen Bruchteil der Kraft, die Ihnen eigentlich zur Verfügung steht!
Oder stellen Sie sich vor, sie wollten lernen, ein Instrument zu spielen, beispielsweise Klavier. Wenn Sie nicht wissen, wie man auf einem Klavier eine Melodie spielt, dann wird es auch nichts helfen, wenn Sie mit übergroßer Kraft auf die Tasten schlagen. Ganz im Gegenteil: Sie werden dadurch nur die Beweglichkeit Ihrer Finger einschränken, und im Extrem werden Sie sogar das Klavier beschädigen. Auch Ihr Körper ist ein sehr feines Instrument, und Sie sind der Spieler. Lernen Sie, gut zu spielen!

Auch der zweite Grund, die Bewegungen mit wenig Kraft auszuführen, hat mit Physik zu tun. Physiker wissen, daß Energie weder erzeugt, noch vernichtet, sondern nur transformiert werden kann. Wenn Muskeln arbeiten, und keine Bewegung daraus resultiert, dann entsteht unnötige Wärme, die an sensiblen Stellen der Gelenke Schaden anrichten kann. Scherkräfte und unnötige Reibung bewirken auf diese Art Verschleißprozesse, die sich mit zunehmendem Alter immer mehr auszuwirken beginnen. Mithilfe der Bewegungslektionen können Sie für viele Ihrer Gelenke schonende und gleichzeitig sehr funktionale Bewegungsmöglichkeiten entdecken.

Wenn Sie lernen, sich effizient zu bewegen, verlangsamen Sie den Verschleiß Ihres Körpers.
Führen Sie die Bewegungen nicht bis an ihre Grenze, sondern kehren Sie bereits vorher wieder um. Wenn wir einen Bereich unseres Körpers nicht so bewegen können, wie wir es eigentlich möchten, dann glauben wir meist, daran wären schlechte Gelenke, schwache Muskeln oder zu kurze Bänder schuld. Wir glauben, wir müßten uns dann dehnen oder kräftigen oder zumindest die gewünschte Bewegung immer wieder aufs Neue versuchen, solange bis sie vielleicht doch irgendwie gelingt. Bedenken Sie bitte: Viele der Begrenzungen, die wir im Bewegungsapparat verspüren, sind nicht durch unsere Gelenke, auch nicht durch Muskeln oder Sehnen, sondern durch unser Nervensystem festgelegt. Bitte dehnen oder strecken Sie sich deshalb im Verlauf der Übungen nicht; versuchen Sie vielmehr herauszufinden, wie groß der Bereich sein kann, in welchem Sie die Bewegung vollkommen mühelos ausführen können. Bleiben Sie stets innerhalb dieses Bereiches, und vergrößern Sie auf diese Weise Ihre Kompetenz und nicht Ihre Anstrengung. Wahrscheinlich werden Sie schon nach kurzer Zeit des Arbeitens bemerken, daß sich Grenzen, die Sie für unabänderlich gehalten haben, zu erweitern beginnen.

Das Weber-Fechner-Gesetz
Ein weiterer Grund, die Bewegungen mit wenig Kraft durchzuführen, ist neurophysiologischer Art: Angenommen, Sie hätten einem anderen Menschen etwas Bestimmtes mitzuteilen. Unter welchen Umständen glauben Sie, würde es Ihrem Zuhörer leichter fallen, Ihnen aufmerksam zu lauschen: In einem stillen Zimmer, in dem es ruhig genug ist, um sich auch mit leiser Stimme verständlich zu machen, oder in einer lärmenden Bahnhofshalle, in der Sie zum Ausgleich für die übrigen Störgeräusche mit voller Lautstärke auf Ihren Zuhörer einreden müssen?
Nun, für Ihr Nervensystem können Sie zwischen in etwa den gleichen Bedingungen wählen. Wenn Ihre Muskeln mit großer Kraft arbeiten und die allgemeine Aktiviertheit sehr hoch ist, kann dies durchaus der hektischen Atmosphäre einer Bahnhofshalle gleichen. Es wird sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich sein, unter diesen Umständen eine komplexe Botschaft zu übermitteln. In der Neurophysiologie ist diese Tatsache als die Konstante von Weber und Fechner bekannt.

Große Anstrengungen behindern große Lernerfolge
Mit einfachen Worten ausgedrückt, besagt das Weber-Fechner-Gesetz, daß der kleinste, als unterschiedlich wahrzunehmende Reiz in einem konstanten Verhältnis zum bereits vorherrschenden Reiz steht. Im Bereich kinästhetischer Empfindungen (also unserem Sinneskanal für Berührungsreize, Druck, Gewicht oder dergleichen), beträgt die Konstante etwa ein Vierzigstel. Wenn Sie also mit geschlossenen Augen einen Briefumschlag mit einem Gewicht von 40 Gramm in der Hand halten, genügt eine Zunahme von nur einem Gramm, um Ihnen das Gefühl einer Veränderung zu geben. Wenn Sie jedoch eine 40 kg schwere Kiste hochheben, muß man Ihnen schon mindestens ein weiteres kg Gewicht dazugeben, um Sie auf eine Veränderung im Gesamtgewicht aufmerksam zu machen.

Ein paar Worte zum Thema Schmerz
Schmerz ist ein Warnsignal, welches uns vor Schlimmerem bewahren soll. Versuchen Sie nie, Schmerz zu überwinden. Nehmen Sie ihn stattdessen als Lehrmeister, der Ihnen sagen will, daß Sie eine andere Art körperlicher Organisation lernen sollten. Lernen Sie deshalb, sich so zu organisieren, daß Schmerz unnötig wird, und führen Sie die Bewegungen immer so aus, daß Sie kurz vor einem möglichen Schmerz wieder umkehren. Wenn Sie im Moment nicht herausfinden können, wie die Bewegung schmerzlos auszuführen ist, dann sollten Sie nur in Gedanken weiterarbeiten. Respektieren Sie die Signale Ihres Körpers, und trainieren Sie Ihre Willenskraft lieber in anderen Bereichen.

Warum Sie die Bewegungen sehr langsam ausführen sollten
Schnelle Bewegungen erfordern einen hohen Grad an Automatisierung, denn das Gehirn braucht nun mal eine gewisse Zeit, um ein ungewohntes Muster präzise zu durchdenken und die notwendigen Gewohnheiten aufzubauen.

Nehmen Sie als Beispiel eine andere Fähigkeit, die Sie wahrscheinlich im Laufe Ihres Lebens schon erlernt haben: Autofahren. Können Sie sich erinnern, wie es war, als Sie noch Fahrstunden nehmen mußten? Wahrscheinlich benötigten Sie alle zur Verfügung stehende Aufmerksamkeit, um den Wagen zu kontrollieren. Wie hätten Sie es gefunden, wenn der Fahrlehrer Sie bereits in der zweiten Stunde allein in einem Porsche auf die Autobahn geschickt hätte? Wahrscheinlich hätten Sie sich gerne von jedem Kleinwagen überholen lassen, nur um das Auto und sich selbst heil nach Hause zu bringen.

Je langsamer Sie eine neue Bewegung erkunden, desto schneller werden Sie sie am Ende ausführen können. Lassen Sie Ihrem Nervensystem Zeit, auch alle möglichen Abweichungen von der Idealbewegung zu erforschen. Seien Sie nicht perfektionistisch. Die Schnelligkeit kommt mit wachsendem Verständnis für die Bewegung.
Es lernt sich nicht gut unter Druck und Eile
Versuchen Sie nicht, die Lektion “gut” zu machen. Im Gegenteil. Machen Sie ruhig Fehler, und gewähren Sie sich die Zeit, die es braucht, bis Ihr Gehirn die entsprechende Bewegungssequenz verinnerlicht hat. Probieren Sie Verschiedenes aus, variieren Sie Ihre Vorgehensweise und machen Sie ruhig auch Fehler. Sie werden möglicherweise an manchen Stellen unsicher sein, wie die Bewegung genau gedacht ist. Lassen Sie sich Zeit, dies selbst herauszufinden. Es ist nicht wichtig, die Übung “richtig” zu machen. Entwickeln Sie Ihr eigenes Gespür dafür, was für Sie selbst richtig ist, bleiben Sie unvoreingenommen und entwickeln Sie Ihr eigenes Urteil. Haben Sie schon einmal ein kleines Kind beobachtet, wie es fasziniert von seiner eigenen Fähigkeit, Geräusche hervorzubringen – ein und denselben Laut immer wieder aufs Neue wiederholt? Seien Sie gleichermaßen fasziniert von sich selbst, geben Sie sich soviel Zeit, wie nötig, und bleiben Sie Ihr eigener Lehrer!
Sie werden mehr Nutzen aus den Lektionen ziehen können, wenn Sie sich erlauben, jede einzelne Bewegungsanregung in Ruhe auszuschöpfen. Wenn Sie durch die einzelnen Lektionen spurten, dann werden Sie davon möglicherweise nur einen steifen Hals bekommen. Lassen Sie sich Zeit. Und noch einmal: Verwenden Sie nur einen Bruchteil Ihrer zur Verfügung stehenden Kraft! Je spielerischer Sie an die Bewegungslektionen herangehen, desto besser. Grundsätzlich gilt: Tun Sie immer ein bißchen weniger, als Sie könnten. Auf keinen Fall mehr.

Wozu die Pausen notwendig sind
Ausgeruht lernt Ihr Gehirn am leichtesten. Sie werden wahrscheinlich feststellen, daß manche Bewegungen nach einer kleinen Weile des Ausruhens besser funktionieren als vor der Pause. Obwohl sich dazwischen scheinbar nichts ereignet hat, werden Sie oft allein durch Nichts-Tun einen Fortschritt machen.
Darüberhinaus haben die Pausen noch einen anderen Sinn. Sie sollten Ihnen die Möglichkeit geben, festzustellen, was sich in der Zwischenzeit in Ihrem Körper geändert hat. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, bei jeder Arbeitspause kurz zu prüfen, wie Sie jetzt den Boden unter sich wahrnehmen.

Achten Sie auf Veränderungen
Meistens werden Sie erleben, daß sich Ihr Körper nach jeder Bewegungsphase noch bequemer auf dem Boden anfühlt. Dies kommt daher, daß Ihr Gehirn in der Zwischenzeit den Muskeltonus reguliert hat. Daraus ergibt sich eine größere Auflagefläche Ihres Körpers auf dem Boden, und auch das Gewicht des Körpers kann sich auf eine größere Fläche verteilen. Vielleicht wird es Ihnen auch so vorkommen, als sei der Boden unter Ihnen weicher geworden, oder als sei ein Bein, ein Arm, oder eine ganze Körperseite länger als zuvor.
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Bewegungen nur in Gedanken
Wie wir schon erörtert haben, ist die Feldenkrais-Methode ein Weg des Lernens. Daher hat sie nicht nur mit Bewegung, sondern vor allem auch mit Denken zu tun. Versuchen Sie deshalb auch einmal, wie es ist, die Bewegungen nur in Gedanken auszuführen. Dies gilt ganz besonders für den Fall, daß eine Bewegung für Sie schmerzhaft sein sollte. Doch auch ohne diese Bedingung kann es von großem Vorteil sein, wenn Sie lernen, die Bewegungen nicht nur zu tun, sondern auch zu denken. Für Leistungssportler ist “Mentaltraining” bereits seit einiger Zeit Routine: Rennfahrer fahren die Strecke so lange in Gedanken ab, bis Sie jede Kurve im Schlaf kennen; Schüler einer Kampfsportart schlüpfen in Gedanken in den Körper ihres Meisters und fühlen quasi “von innen”, wie die Bewegung ausgeführt werden muß.

Diese Methode ist sehr effektiv, um einen Lernprozeß im Nervensystem fest zu verankern, und Sie können manchmal besser als in der tatsächlichen Bewegung feststellen, über welche der Details Sie sich noch nicht vollständig im Klaren sind: Achten Sie einmal darauf, ob der innere Film, der Ihre Bewegung zeigt, wirklich an allen Stellen mit der gleichen Geschwindigkeit und mit der gleichen Bildschärfe abläuft: Wenn Sie bei manchen Phasen der Bewegung entdecken, daß der Film “reißt”, unscharf wird oder beschleunigt, dann sind dies mit ziemlicher Sicherheit genau diejenigen Stellen, an denen Ihnen auch die tatsächliche Bewegungen noch Schwierigkeiten bereitet.

Oft gestellte Fragen
“Warum arbeitet man meistens im Liegen?”
Im Stehen oder Sitzen müssen viele Muskeln des Körpers arbeiten, um uns aufrecht zu halten. Diese Anstrengung kann unter Umständen sehr beträchtlich sein, auch wenn wir sie selten wirklich spüren. Im Liegen ist ein großer Teil dieser Anstrengung ausgeschaltet, denn wir brauchen uns jetzt nicht mehr aufrecht zu halten. Die Reduktion dieser Anstrengung wird Ihnen helfen, kleine Unterschiede wahrzunehmen.

“Wie oft soll man die Lektionen wiederholen?”
Sie werden merken, daß die Feldenkrais-Bewegungen Ihnen bereits nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut übergehen, und deshalb wird es nicht nötig sein, die Übungen ständig zu wiederholen. Andererseits werden Sie vielleicht immer wieder einmal Tage erleben, an denen sich Ihr Körper müde und strapaziert anfühlt. In solchen Zeiten wird es Ihnen guttun, sich wieder daran erinnern zu lassen, was Sie durch die Feldenkrais-Übungen schon gelernt haben. Mag sein, daß dann bereits eine kurze Wiederholung der Lektionen, die Ihnen besonders gut getan haben, eine schnelle Besserung bewirkt.

“Ist es wichtig, regelmäßig zu üben?”
Ja und nein. Wenn Sie die Arbeit mit der Feldenkrais-Methode zu einem festen Bestandteil Ihres Lebens machen, wird Ihr Körper es Ihnen sicherlich danken. Sie sollten aber nicht einen Zwang daraus werden lassen. Kommen Sie zu den Lektionen also so regelmäßig, daß Sie sich den Spaß dabei erhalten können! Auch hier gilt: Entwickeln Sie Ihr eigenes Urteil.

“Wie lange wirken Feldenkrais-Lektionen?”
Dies ist so, als wenn man fragen würde: Wie lange wirkt ein gutes Buch, oder ein schönes Musikstück? Der erste Effekt wird sicherlich nach einiger Zeit wieder verschwinden. Dies kann nach Stunden oder erst nach Tagen der Fall sein. Dennoch wird ein Teil der Information in Ihnen zurückbleiben, und dies ist vielleicht sogar der wichtigere Erfolg.
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